Wir haben ein gesellschaftliches Problem

Die Erzählung von Veränderung und Wandel hat derzeit Hochkonjunktur. Dies mag an gesellschaftlichen Veränderungsprozessen liegen, die heute auf nahezu allen sozialen und zwischenmenschlichen Ebenen beobachtbar sind. 

Während einerseits die Diversifizierung der Lebensstile und Weltanschauungen unsere Gesellschaft in ebenso rasantem Maße verändert wie der demographische Wandel oder die Digitalisierung, erweisen sich andererseits dieselben Veränderungsprozesse als enorme Belastungsprobe für partizipative Demokratien und Parteiensysteme und verursachen Verunsicherung und Ängste in der Bevölkerung. Als Folge lassen sich jenseits nationaler Bezugsgrößen das Anwachsen antidemokratischer Diskurse und der Vormarsch rechtspopulistischer Parteien

mitsamt ihrer menschenfeindlichen Ideologien sowie ihrer kulturell wie nationalistisch aufgeladenen Konfliktlinien beobachten. Nicht erst seit der Weltwirtschaftskrise im Jahr 2008 sinkt das Vertrauen in die parlamentarische Demokratie – mit gravierenden Folgen. Immer mehr rechtspopulistische und offen rechtsradikale Kollektive füllen die dadurch entstanden Vertrauenslücken und bringen sich europaweit in Stellung. Der politischen Legitimationskrise mitsamt ihrer Folgeeffekte ist die parlamentarische Parteienpolitik ausgesetzt, manchmal ausgeliefert. Eine gesamtgesellschaftliche Antwort wird notwendig, die neben den klassischen zivilgesellschaftlichen Organisationen auch alle anderen Akteure in Politik und Gesellschaft zur Lösungsfindung verpflichtet.

Demokratie und Wirtschaft

Wann immer von demokratischer Bildungsarbeit und demokratischen Partizipationsplattformen die Rede ist, ist selten die Arbeitswelt bzw. der Arbeitsplatz gemeint. Das ist in zweierlei Hinsicht problematisch. Zum einen haben Arbeit und Beruf in sowohl qualitativer als auch quantitativer Hinsicht einen substanziellen Anteil an der Gestaltung des eigenen Lebens, zum anderen treffen gerade im direkten Arbeitsumfeld eine Vielzahl unterschiedlicher Personengruppen aufeinander und sind dort zu grundlegend demokratischen Verhaltensweisen verpflichtet. Dazu gehören die Anerkennung einer demokratischen Grund- und Werteordnung ebenso wie die Anerkennung unterschiedlicher Lebensführung und die konstruktive Mit- und Zusammenarbeit trotz unterschiedlicher Ansichten und Weltanschauungen.

Demokratische Spielregeln sind innerhalb eines Betriebes sowohl für die Unternehmenskultur als auch für die damit einhergehenden Prozesse unvermeidlich. Dennoch werden diese selten explizit artikuliert und konstituiert. Stattdessen werden Verletzungsvorgänge demokratischer Grundbedingungen über den Gesetzgeber formalisiert.
Als Beispiel seien das Diskriminierungsverbot gegenüber Schwerbehinderten mithilfe einer Schwerbehindertenabgabe, 

die Etablierung von Chancengleichheit für Frauen im Betrieb mithilfe einer Geschlechterquote für Aufsichtsräte etc. genannt. Starke Rahmenbedingungen, die gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ahnden und jegliche Arten von Diskriminierung unter Strafe stellen, sind nicht nur aus gesellschaftlichen, sondern auch aus betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten unerlässlich, wenn Unternehmen erfolgreich sein möchten. Studien belegen, dass Unternehmen mit einem höheren Anteil an Diversität in der Mitarbeiterschaft innovativere Produkte entwickeln und höhere Umsätze erwirtschaften. Zudem sind Unternehmen, besonders in Zeiten der Globalisierung und des Fachkräftemangels, auf eine Mitarbeiterschaft angewiesen, die neuen Kulturen, Arbeitsformen und Ideen aufgeschlossen gegenüberstehen.

Weltoffene und tolerante Gesellschaftsformen und wehrhafte Demokratien fördern Aufgeschlossenheit und Innovationsfreude und bieten in Schulen und Universitäten Plattformen, die zum Wettbewerb der besten Ideen einladen. Nicht zuletzt aus diesen Gründen sind innovative Unternehmen auf lebendige Demokratien angewiesen, wenn sie ihren Unternehmenserfolg entfalten und sichern möchten. Demokratien wiederum sind auf innovative Unternehmen angewiesen, wenn sie ihren Wohlstand und den damit einhergehenden Frieden langfristig bewahren mögen.

Diskriminierung und Extremismus am Arbeitsplatz

Auch wenn rechtsextreme, rassistische, sexistische oder behindertenfeindliche Diskriminierungen am Arbeitsplatz keine neuen Phänomene sind, so sind sie in den vergangenen Jahren in den Vordergrund gerückt. KundInnen und Betriebsangehörige zeigen sich zusehends besorgt darüber, ob “ein Nazi an ihrer Uhr gearbeitet hat”, ob eine rechtsextreme Gewerkschaft den gesamten Betrieb unterwandert, Firmenfahrzeuge mit SS-Beflaggung umherfahren oder BewerberInnen Ablehnungsschreiben mit den Worten “bitte keine Araber” erhalten. Die Liste ließe sich um zahlreiche weitere Fälle erweitern.

Diskriminierung und Extremismus am Arbeitsplatz sind eine reale Gefahr für den Betrieb und die betroffenen Menschen. Sie gefährden den Zusammenhalt und den Betriebsfrieden, schrecken BewerberInnen und KundInnen ab und sind ein außerordentliches Risiko für Erfolg und Existenz des Unternehmens.

Demokratie in Arbeit unterstützt Unternehmen bei der Analyse und Weiterentwicklung von Unternehmenskultur, Organisation und Prozessen, damit solche Geschehnisse frühzeitig erkannt und abgewendet werden können.